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Colour Your World: Dandelion

Day 34 Colour Your World: Dandelion hosted by Jennifer Nichole Wells

Thank you for looking!

A dandy and a lion were walking in the park. And then? What happened? No idea. You tell me!

Flowering dandelion and lady’s smock leading up the dyke path. They’re well-matched.

loewenzahn

Photo: (c) anglogermantranslations. All rights reserved.

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My Lucky Escape

„Aus Jork kommt keiner zurück“, eröffnete mir in unheilschwangerem Ton der Busfahrer auf meine Frage. (Offenbar habe ich es dennoch geschafft, aber dazu später mehr.)

Es fing ganz harmlos an. Die Sonne versprach, den ganzen Tag zu scheinen, ein perfekter Tag also für einen Ausflug nach Finkenwerder und ins Alte Land, das größte Obstanbaugebiet Europas direkt vor Hamburgs Haustür. Genau der richtige Zeitpunkt, um den Bäumen beim Blühen zuzusehen. Früher bin ich oft mit dem Rad mit der Fähre von den Landungsbrücken zum Bubeney-Ufer gefahren und dann stundenlang über die Deiche geradelt, manchmal zur Zeit der Obstblüte, dann wieder zur Erntezeit. Ohne Rad nahm ich auf dem Rückweg auch öfter mal die Fähre von Cranz nach Blankenese, die aber von den Gezeiten abhängig ist. Eine dritte Möglichkeit bietet der Bus 150, der durch den Elbtunnel zum Bahnhof Altona fährt.

Gestern kam ich also mit der Fähre auf Finkenwerder an, nahm von dort den Bus nach Cranz und wanderte ins (bzw. nach) Königreich, das ich bisher stets mit dem eigentlichen Jork verwechselt habe. Doch man lernt ja nie aus … Nach kurzer Einkehr im Kaffeegarten und selbstgebackenem Obstkuchen – schließlich gehört der zum Lokalkolorit – setzte ich mich in Bewegung.

Photos: (c) anglogermantranslations, 2014. All rights reserved.

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Ich treffe auf vereinzelte Grüppchen von Wanderern und Radfahrern. Der Elbwanderweg von Övelgönne nach Teufelsbrück und Blankenese dürfte inzwischen überlaufen sein. Hier ist alles noch beschaulich und überschaubar. Vielleicht sind die üblichen Verdächtigen – die Hamburger – im Osterurlaub? Wer will denn in die Nähe schweifen? Sieh doch, das Ferne liegt weit weg …

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Und dann ging es auf den langen Marsch durch die Marsch (wie viele den Kalauer wohl schon vor mir gebracht haben), flankiert von Wiesen voller Löwenzahn, Sumpfdotterblumen und Wiesenschaumkraut, reetgedeckten Fachwerkhäusern, die sich ängstlich hinter den Deich duckten, nebst allerlei blühenden freistehenden Bäumen. Auffallend war, dass diese Solitärexemplare alle in voller Blüte standen, während das „wohlerzogene“ Spalierobst größtenteils noch nicht so recht in die Gänge gekommen war. Vielleicht liegt es an den Sorten?

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In Esteburg überlegte ich ernsthaft, denselben Weg Richtung Königreich wieder zurückzugehen, doch dann kam ein Bus mit Ziel Jork (Marktplatz) und ich stieg ein. Zu meiner Überraschung stellte ich dann fest, dass er in ein mir völlig unbekanntes Jork fuhr, ein malerisches Dorf mit uralten Fachwerkhäusern. Aber ich liebe Überraschungen …

Bevor ich ausstieg, fragte ich den Fahrer noch, wie ich von hier nach Hamburg zurückkehren könne,  sei es über Cranz, Finkenwerder oder auf direktem Weg.  Er musterte mich mitleidig. „Aus Jork kommt keiner zurück“, eröffnete er mir in unheilschwangerem Ton. Wenn es Nacht wird, kommt der Dorfdruide, und dann werden Sie am Spieß gebraten!“

Zum Glück fand ich dann doch noch eine Busverbindung zurück nach Cranz (ja, über Königreich (Jork)), aber mir blieb nur eine gute halbe Stunde Aufenthalt in diesem interessanten Städtchen. Auf Verdacht fotografierte ich schon mal einen Fachwerkbau direkt vor meiner Nase, der sich bei späterer Recherche als das historische Rathaus (Gräfenhof) entpuppte. Auch die Kirche, St. Matthias, befand sich – wie sich das gehört – mitten im Dorf. Oder Städtchen? Or Downtown Old York? Auf den ersten Blick dünkte mich diese Backstein-Holz-Kombi etwas ungewöhnlich, ich musste unwillkürlich an norwegische Stabkirchen denken, was natürlich dummes Zeug war. In der Eisdiele vis-à-vis klärte man mich auf. „Sie wundern sich bestimmt, warum der Glockenturm neben der Kirche steht?“ (Ach ja, genau das war’s …) „Das gibt es im Alten Land oft. Mitsamt Glockenturm obendrauf wäre die Kirche zu schwer und würde im weichen Boden versinken.“ Und wieso hängt die Glocke außerhalb des Turms? „Das hat was mit der Vibration zu tun – und irgendwie auch mit dem weichen Boden“, wusste die freundliche Eisverkäuferin zu berichten.  Ein Blick auf die Uhr … Mir blieb gerade noch Zeit für ein paar Aufnahmen in der Kirche und Stadtansichten, zu meiner Freude kam mir auch eine Utlucht vor die Linse, eine besondere Erkerform, über die ich an anderer Stelle bereits geschrieben habe.

 

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Zu Hause habe ich dann einige Fakten über Jork zusammengesucht. Offenbar möchte die Stadt zum Welterbe gehören, ein berechtigtes Anliegen. Nur sollte Jork auf seiner Website und selbstdeklarierten „offiziellen Präsentation“ doch bitte mal die pseudoenglische Version löschen und von einem englischen Muttersprachler und professionellen Übersetzer neu anfertigen lassen. (Nein, ich rede nicht von mir – ich übersetze ins Deutsche.) So geht das ja wirklich nicht, liebe Leute! Kostenlose Übersetzungen touristischer Texte reizen das Zielpublikum nur zum Lachen, wenn es sich nicht gleich mit Grausen abwendet. Hat sich das denn immer noch nicht herumgesprochen? Hier geht es immerhin um das Weltkulturerbe.

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Rapunzel, Rapunzel …

… lass dein Haar herunter!

Oder

Rapunzel, Rauke und rughetta


Foto: anglogermantranslations

Dieses Bild eines unbekannten Malers – jedenfalls kann ich seinen Namen nicht eindeutig entziffern – hängt jetzt über meinem Schreibtisch. Es gehörte einmal meiner Tante und meinem Onkel, bei denen ich als Kind oft zu Besuch war. Dann las mir der Onkel jeden Abend ein Märchen vor, und meine Augen gingen dabei auf dem Bild spazieren. Für mich gehört es seitdem zu Grimms Märchen wie John Tenniels Illustration zur Originalausgabe von Lewis Carrolls Alice in Wonderland. Zwar kam nicht in jedem Märchen ein Fischer vor, der seine Netze flickt, doch man brauchte ja nur aus der Hütte herauszutreten, um das ganze Märcheninventar – samt Personal – vorzufinden: den Brunnen, in den der böse Wolf – dank Wackersteinfüllung – stürzt, die Haulemännchen, ein Hutzelweiblein, ein kantapper, kantapper in den Wald rollender dicker,  fetter Pfannekuchen … Lauter rätselhafte Wörter, deren Bedeutung ich mir in meiner Fantasie lustvoll ausmalte. Besonders verlockend klang mir „Rapunzel“ im Ohr. Nein, ich brachte sie gar nicht mit dem Feldsalat zusammen, den es oft zu Mittag gab. Wenn sie ein so heftiges Verlangen weckte, dass man ihretwegen stahl und sein ungeborenes Kind verschenkte, musste es eine ganz besondere Bewandtnis damit haben. (Von unstillbaren Schwangerschaftsgelüsten ahnte ich ja nichts. Nur gut, dass man die Kinder nicht danach benennen muss! „Frikadelle, Frikadelle, lass deine Panade fallen!“?) Also war es wohl eine exotische, außerordentlich wohlschmeckende und daher begehrenswerte Frucht? Ähnlich der Ananas (die ich allerdings nicht mochte)?

Die Rauke – inzwischen wieder „in aller Munde“ – lernte ich erst 1995 kennen, als ich ein Buch über längst vergessene Kulturpflanzen übersetzte. Der Autor zog viele dieser Pflanzen in seinem Garten und beschrieb ihre Geschichte „von den Anfängen bis zur Gegenwart“ ;-),  mit eigenen Rezepten. Rocket hieß diese Pflanze also auf Englisch – wie die Rakete. Aber gab es irgendwo in Deutschland Rauke zu kaufen? Nein, dachte ich. Nicht einmal als Wildpflanze wie z. B. Löwenzahn. Ein Grundproblem beim Übersetzen von Rezepten. Man braucht ja auch Bezugsquellen im Land der Zielsprache. Exotisches durch Einheimisches ersetzen geht auch nicht, wenn das Buch reich bebildert ist.  Eine Rauke ist eine Rauke ist eine Rauke. Zur gleichen Zeit beschrieb mir eine Freundin aus Rom rughetta, eine Salatpflanze, die ihres Wissens mittlerweile auch in Deutschland immer beliebter wurde. Dieses Kräutlein entpuppte sich dann als Rauke bzw. rucola – wie sie außerhalb Roms genannt wird. Und da sie über Italien wieder den Weg in deutsche Küchen fand, ist sie unter ihrem italienischen Namen fast noch besser bekannt. Geschmacklich würde ich sie irgendwo zwischen Rapunzel und Löwenzahn einordnen. „Irgendwo“ ist ja ein weites Feld …

Ich plädiere dafür, ein neu zu züchtendes Hybrid-Gemüse nach Rumpelstilzchen zu benennen. Das klingt doch verdächtig nach einer Kreuzung aus Steckrübe, Rübstiel und Radieschen? (Nein, nein, nach Rumpsteak natürlich nicht :-).)

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