Schlagwort-Archive: Llandudno

Durch die Bank …

… die Toten ehren?

Eine schier endlose Reihe von Bänken fiel mir an der langen Strandpromenade in Llandudno auf. Wie touristenfreundlich, dachte ich unwillkürlich. In anderen britischen Seebädern muss man einen Stuhl mit Meerblick stundenweise mieten. Dann bemerkte ich die unterschiedlichen Schildchen. Offenbar war jede einzelne Bank von irgendeinem großzügigen Menschen gestiftet worden? Von edlen Spendern gestiftete Bänke „besitze“ ich zwar auch in Deutschland gelegentlich, aber eine derartige Häufung überraschte mich. Nachdem ich einige Schildchen gelesen hatte, dämmerte es mir. Das waren Bänke von Hinterbliebenen, die ihren Lieben dort ein Denkmal gesetzt hatten, wo sich jene so gern aufgehalten hatten, etwa: In loving memory of my mother who used to enjoy this view.

Auf der Promenade oder noch höher, am Wegesrand vom Invalids‘ Walk auf dem Great Orme, ist kaum noch ein unbebanktes Fleckchen zu finden. Künftig wird man wohl in die Höhe bauen, soll heißen, mehrere Bänke aufeinanderstapeln müssen? Mit dem Namen Invalids‘ Walk hat es noch eine andere traurige Bewandtnis. Ursprünglich hieß er Lovers‘ Walk, aus naheliegendem Grund. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde er in Invalidenweg umbenannt, da man hier die Kriegsversehrten in Rollstühlen spazierenfahren konnte. Leider blieb der Name hängen.

Als ich im Sommer auf diesem geschichtsträchtigen Pfad dem Schwefelkäfer und dem Hauhechel-Bläuling sowie allerlei anderem merkwürdigen Getier und Geblüm nachjagte, kam ich mit einem Einheimischen ins Gespräch, der mich u. A. fragte, ob wir in Deutschland denn auch solche Totenbänke haben?

Nein, antwortete ich, manche Leute stiften zwar Bänke, aber noch zu ihren Lebzeiten.
Ach … und wenn sich dann jemand setzen will, kommt der Stifter und sagt: Weg da, das ist meine Bank?
 
Auch das glaubte ich, verneinen zu können. Inzwischen habe ich nach deutschen Gedächtnisbänken gesucht und auch vereinzelte Beispiele dafür gefunden. Einen festen Begriff scheint es dafür aber nicht zu geben. Was für ein tröstlicher Gedanke, nach dem Ableben nicht einfach auf einem Friedhof zu versauern, sondern eine personalisierte Bank zu haben, auf der manch müder Wanderer sich dankbar niederlässt und sich an der von mir einst bewunderten Aussicht weidet. Sofern er oder sie sich nicht für eine meiner unzähligen Rivalinnen entscheidet …  
Memorial benches on Invalids' (Lovers') Walk, Llandudno, Wales

„Gedächtnisbänke“, gestiftet zum Gedenken an verstorbene Angehörige
Invalids Walk, Great Orme, Llandudno (Wales), Juli 2013
Foto: (c) anglogermantranslations

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The Common Red Soldier Beetle Versus an Uncommon Red Soldier Beatle

Zwei Käfer im roten Waffenrock, erstens Beatle George Harrison auf der legendären Plattenhülle des Albums Sgt Pepper’s Lonely Hearts Club Band (damals hatte der abgekürzte Sergeant noch einen Punkt), zweitens ein common red soldier beetle, der aber nur auf Englisch eben wegen der historischen Militäruniformfarbe als Soldat empfunden wird. Der deutsche Trivialname, Weichkäfer, klingt wie das genaue Gegenteil eines Soldaten. Gelobt sei, was weich macht.

Auch George Harrison gab bekanntlich wie John Lennon lieber peace a chance. Aber prächtig waren sie ja doch, die alten Militäruniformen. Warum waren sie leuchtend rot? Damit man das Blut nicht so sah? Oder um Freund und Feind auf dem Feld der Ehre besser unterscheiden zu können? Oder gar nicht blut-, sondern feuerrot, passend zum anfeuernden Tschingderassabum der Marschmusik, zu deren Klängen man zackig dem Tod entgegeneilte?

Würden die Londoner Beefeaters oder die Gardesoldaten vor dem Buckinghampalast in Feldgrau oder Khaki aufmarschieren, wären sie als Fotomotiv sicher nur halb so beliebt.

Quelle/source: Wikimedia

Weichkäfer

Weichkäfer
Common red soldier beetle
Foto: (c) anglogermantranslations

Gespinst mit Weichkäfer

Gespinst im Great Orme, Llandudno, North Wales
Foto: (c) anglogermantranslations

Leider kein scharfes Foto, denn dieser Käfer war wieder mal ein zufälliger Beifang. Fotografieren wollte ich das Gespinst, aber meine Kamera sieht immer mehr als ich und überrascht mich oft, wenn ich die Fotos später am Bildschirm vergrößere. Nun habe ich auch dieses Krabbeltier kennengelernt und werde für ein besseres Bild gezielt nach ihm Ausschau halten.

There’s a better photo here.

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Im Schlaraffenland …

… oder jedem Tierchen sein Pläsierchen:

Schwefelkäfer und Hauhechel-Bläuling auf Brombeerblüten Great Orme Juli 2013 Foto: (c) anglogermantranslations

Schwefelkäfer und Bläuling auf Brombeerblüten
Sulphur Beetle and Common Blue
Great Orme Juli 2013
Foto: (c) anglogermantranslations

Und das Fotografierchen-Tierchen stürzt sich dann auf die reifen Früchte.

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Nur noch ein Schatten seiner selbst?

On the rocks Schattenspiel Foto: (c) anglogermantranslations

On the rocks
Schattenspiel
Foto: (c) anglogermantranslations

Ach was! In seiner Jugend Maienblüte …

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Die Schöne und das Biest

… c’est moi, Emma! In Personalunion. Tatkräftig unterstützt von meinen Namensschwestern. Betrachtet mich also zunächst in voller Schönheit:

Llandudno, Juli 2013 Foto: (a) anglogermantranslations

Llandudno, Juli 2013
Foto: (a) anglogermantranslations

Oder doch lieber von vorn? Aber gern! Voilà: Emma Brustbild

Wie so oft trügt der Schein. Trotz meiner weißen Weste hab ich es faustdick hinter den nicht vorhandenen Ohren.

Für solche braven Vögel kennt unsereins nur Verachtung:

Sie bleiben am Strand und nähren sich redlich. Gut so!

Sie bleiben am Strand und nähren sich redlich. Gut so!

Dekorativ sind wir ja, das muss der Neid uns lassen. Darum dürfen wir auf keinem Foto fehlen. Es ist wie mit dem Igel im Wettlauf mit dem Hasen. Die Fotografen sind die Hasen, wir sind immer schon da.


Mich (jetzt nicht mehr Emma, sondern die Bloggerin) hat es endlich auch erwischt. Arglos nahm ich auf einer schattigen Bank in Llandudno Platz, um in mein köstliches Sandwich (salmon + cucumber – mmmmh! So was können die Briten ja …) zu beißen, als so ein Geier im Kleinformat von hinten (wie hinterrücks!) im Sturzflug auf meinem Kopf landete und das Objekt meiner Begierde flugs die Besitzerin wechselte.
When I told my landlady I’d been robbed of my lunch, she nodded and replied promptly, „The seagulls!“

In Hamburg haben die Möwen bessere Manieren. Sie sind eben hanseatisch zurückhaltend. Hier belästigen uns eher die Tauben und versuchen ständig, in den Balkonkästen zu nisten. Womit sie natürlich keinen Blumenpott gewinnen können. Aber das ist eine andere Geschichte.

Mein Fazit: Eine Möwe auf dem Schornstein ist mir lieber als ihr Schnabel in meinem Essen.

Und die Moral von der Geschicht? Die Möwe ist des Menschen Wolf. (Nur nicht in Hamburg, versteht sich.)

Nachtrag

Kaum hatte ich diese Zeilen mit Seitenhieb auf die Hamburger Tauben beendet, wollte ich mir aus der Küche Kaffee holen. Und wen sehe ich da? Zwei Tauben, die es sich gerade im leeren Wäschekorb gemütlich machen. So dreist waren die noch nie – die Balkontür war bisher die Grenze. Die geiern wohl darauf, dass sie einen eigenen Blogeintrag bekommen? So ein Ansinnen stößt aber auf taube Ohren.

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Sisyphus ist abgehauen …

… und wer wollte es ihm verdenken? Vielleicht legt er auch nur eine kurze Pause ein, um mit den wilden Kaschmirziegen auf dem Gipfel einen anschwellenden Bocksgesang über sein verpfuschtes Leben anzustimmen?

sisyphus

Kalksteinfelsblock auf dem Gipfel des Great Orme
(c) anglogermantranslations

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Perfekte Tarnung ist das nicht

Grille klein

Oder wartet er/sie/es darauf, dass die Bank grasgrün gestrichen wird? Als Chamäleon hätte er/sie/es jedenfalls den Beruf verfehlt. 

„That’s a black cricket, although it looks green!“, sagte mir ein Einheimischer. Soll ich das glauben?

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