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Das unfeine Miezchen samt Rüssel statt Ring

Wie ich erst unlängst wieder schrieb, sind Nursery Rhymes und Nonsensverse meine liebste Spielwiese. Nicht von ungefähr ist mein Gravatar für dieses Blog ein Herz mit Katze und Eule. Irgendwas muss ich mir doch dabei gedacht haben? Ob es jemand errät?

Wenn ich mir meine Übersetzungen immer aussuchen könnte, würde ich mich von morgens bis abends nur mit diesem Genre beschäftigen. Aus dem Kollegenkreis bekomme ich daher oft Verslein zugesteckt, die zu ihrem Leidwesen in ihren zu übersetzenden Prosatexten zitiert werden, zu meinem Leidwesen aber so gut wie nie in meinen Übersetzungen auftauchen. Ach, könnten wir doch tauschen!

Ein paar meiner Fingerübungen habe ich als Leseproben auf meine Website gestellt und zum Teil auch in diesem Blog zitiert, als Beispiele für meine Wunschübersetzungen.  Man wird ja noch träumen dürfen …

Was ich mir allerdings nicht hätte träumen lassen, ist die böse Überraschung, die mir ausgerechnet ein für seine kulturellen Programme hochgelobter europäischer Fernsehsender bereitet. Ich selbst habe keinen Apparat, aber eine Übersetzerkollegin schickte mir heute einen Link zur Mediathek des Senders, weil in dem Film auch das berühmte Gedicht The Owl and the Pussy-Cat rezitiert wird, nebst deutscher Übersetzung in Untertiteln. Natürlich war ich gespannt auf eine weitere deutsche Version meines Lieblingsgedichts. Und dann rieb ich mir verwundert die Augen. Margaret Rutherford und ihre Freundin tragen das Gedicht vor, und als Untertitel lese ich in 27 Bildeinstellungen Zeile für Zeile meine eigene Übersetzung. Nur dass an fünf Stellen kleine, aber entstellende Eingriffe vorgenommen wurden. Verschlimmbesserungen nennt man das wohl.

Es soll ja immer noch Privatpersonen geben, die unbekümmert Guttenberg spielen und angeblich nicht wissen, dass ohne freundliche Genehmigung eines Urhebers nichts kopiert oder als eigenes Werk ausgegeben werden darf. Aber ein Fernsehsender? Mein Name ist im Zusammenhang mit diesem Gedicht problemlos im Internet zu finden, ich habe mich nicht versteckt.

Besonders ärgern mich die oben erwähnten Verhunzungen an fünf verschiedenen Stellen im Gedicht. Das Gedicht, das auch vertont wurde und daher gleichzeitig ein Lied ist, gerät dadurch wiederholt aus dem Takt, vulgo, es holpert.

Wir erinnern uns:  Der Kauz bringt der angebeteten Katze ein Ständchen und schmachtet sie dabei an:

Der Kauz sah zu den Sternen empor
Und sang zum Klang der Laute,
„O holde Mieze, Feinsmiezchen mein,
O meine holde Braute …“ 

und so weiter und so fort, mehr davon an anderm Ort.

Was aber verschlimmbessert der Textdieb? (Etwaige Frauen sind mitgemeint.)

Er meuchelt mir mein altmodisch-romantisches Feinsmiezchen, das doch so offensichtlich eine Anlehnung an das Feinsliebchen ist (hollahi, hollaho):

Nun lies das doch mal laut! Das holpert doch – aua! Außerdem hat nicht irgendein Unbekannter an meiner Übersetzung herumzupfuschen. Ich mache das doch auch nicht.

Meine Übersetzung war genau dem Original „O lovely Pussy, Pussy my love“ nachgebildet. „Feines Miezchen mein“ hat wieder eine Silbe zu viel.

Kommen wir nun ins Land, wo der Bongbaum wächst:

Und dort im Wald stand wie verhext
Ein Schweinchen mit Ringlein im Rüssel,
Ein Ring
Ein Ring
Ein Ring hing an seinem Rüssel.

Der einsilbige Ring mutiert im geklauten Untertitel zum zweisilbigen Rüssel:

Nichts gegen Rüssel, nose heißt Nase, das hab ich auch schon rausgefunden und dass eine Schweinenase ein Rüssel ist, lässt ja auch schon meine vorige Zeile vermuten. Aber das hier war meine Übersetzung – da hat nicht irgendein Unbekannter … s. o.

Ring, Ring, weil es ringt und klingt und einsilbig ist, genau wie nose und den Einsilbern traut, Hand, Schein  in den anderen Versen entspricht und ich das so und nicht anders gewollt habe! Man kann jederzeit eine neue Übersetzung des Gedichts schreiben, Edward Lears Original ist ja gemeinfrei. Aber meine Übersetzung gehört mir, und mich hat keiner gefragt.

Dritter Vers:

„Liebes Schwein, dein Ringelein fein –
Verkauf’s uns!“ – „Gern“, quiekte das Schwein.
 

Das mutiert zu:

 

Das darf doch nicht wahr sein! Da habe ich so viele Versionen geschrieben und an diesem Text herumgefeilt, bis ich endlich zufrieden war, und dann kommt jemand daher und lässt es holpern. „Verkauf es uns!“ passt nicht zum Versmaß, verflixt und zugenäht. Was soll das werden – dichten für Anfänger? Wieder eine überflüssige Silbe – grrr!

Auch der letzte Vers musste natürlich noch schnell verballhornt werden.

 So tanzten die beiden im Schein
Im Schein
Im Schein
Im silbernen Mondenschein.
 
 

Klar, man kann auch was mit Mond in der ersten Zeile dichten, statt wie ich sich langsam vom Schein zum silbernen Mondenschein vorzuarbeiten. Dies hier ist allerdings mein Gedicht, das steht dafür nicht zur Verfügung. Reimt Euch doch selbst was nach eigenem Gusto zusammen. Wenn es wenigstens „Im Schein des Monds“ statt „Mondes“ wäre – So ist es schon wieder eine Silbe zu viel und holpert.

Der langen Rede kurzer Sinn: Ich bin stinksauer.

Aber wahrscheinlich guckt wieder kein Schw… sicher hat das niemand gemerkt.

Die Textbilder sind Ausschnitte aus den Screenshots, die ich aus dem übrigens sehr sehenswerten Film Die wahre Miss Marple gemacht habe. Ich gehe davon aus, dass ich nicht das Urheberrecht des Senders verletze, da nur mein eigener, wenn auch zum Teil  verballhornter Text darauf zu erkennen ist. Vielleicht entschließt sich der Moderator auf der Website des Senders ja irgendwann dazu, meine Kommentare in der Mediathek freizuschalten?

Nachtrag: Da sticht mir ein weiterer Schnitzer ins Auge, gleich am Anfang.

Lear reimte:

The owl and the pussy-cat went to sea
In a beautiful pea green boat
 

Ich meinte:

Der Kauz und die Katze stachen in See
Im schmucken erbsgrünen Boot
 

Der Textdieb lässt den ästhetischen Aspekt ins Wasser fallen und verschlimmbessert schlicht:

Tja, „in einem erbsgrünen Boot“ wäre in Ordnung, bei „im erbsgrünen Boot“ ist leider wieder eine Silbe über Bord gegangen und bringt das Boot zum Schaukeln. Ist dieses Pfusch, so hat es doch Methode.

„Wer hat mein Lied so zerstört, Ma? Wer hat mein Lied so zerstört?“

2. Nachtrag von Freitag, dem 22. Juni

Interessant: Der mittlere meiner drei Kommentare, die ich letzten Dienstag auf der Website von arte hinterlassen habe, wurde jetzt doch freigeschaltet. Der erste enthielt explizit das Wort „Urheberrechtsverletzung“. Das war wohl nicht genehm.

3. Nachtrag:

Jetzt ist alles wieder verschwunden.

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Verschon mich mit Honig

Quelle: Wikipedia

Unter diesem Titel habe ich mich in der aktuellen Mai-Nummer des Kindbuchmagazins „Eselsohr“* in der Übersetzerrubrik „Auf ein Wort“ verbreitet. Es geht um mein Lieblingsthema, die Übersetzung von Kinder- und Nonsensreimen.

Bitte hier entlang zum Artikel „Verschon mich mit Honig“ im Maiheft.

* Übrigens nicht zu verwechseln mit dem Wiener Online-Rezensionsportal Eselsohren. (Ja, ich bekenne mich schuldig ;-))

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Reizüberflötung oder die Geburt der Warteschlange

Ein Mann spielte pausenlos Flöte,
Und brachte damit in Nöte
Eine Schlange in seinem Schuh.
Die wartete immerzu,
Ob zur Flucht eine Chance sich böte?

Und die Moral von der Geschicht: Man wartet immer in der falschen Schlange und als Schlange im falschen Schuh.

© anglogermantranslations

There was an old man with a flute,
A serpent ran into his boot;
But he played day and night,
Till the serpent took flight
And avoided that man with a flute.

Edward Lear

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Brummen und summen

Einen Mann mit brummiger Miene
Umschwärmt im Baum eine Biene.
Ob das Summen ihn stört?
„Na und wie! Unerhört
Ist dies Biest, diese dumme Trine!“
© anglogermantranslations
 
There was an old man in a tree,
Who was horribly bored by a bee.  
When they said, „Does it buzz?“  
He replied, „Yes, it does!
It’s a regular brute of a bee!“
Edward Lear [1812-1888]
 
Dass der Mann alt war, habe ich mir geschenkt. Sicher hätte aber auch ein junger Mann genervt auf das Summen reagiert. Mir fällt immer wieder auf, dass in englischen Nursery Rhymes, Limericks und Nonsenslyrik Männer und Frauen ganz schön alt aussehen. Warum eigentlich?
 
There was an old woman who lived in a shoe…
Old Mother Hubbard went to a cupboard…
[…] There I met an old man who would not say his prayers (Goosey, goosey, gander)
 
Und dann natürlich taucht immer und überall the little old lady auf.  Warum auch immer.
Und wie stehts mit unseren deutschen gereimten Männlein und Weiblein? Erfahren wir jemals, wie alt sie sind? Im Märchen meistens schon, aber in Liedern und Gedichten?
 
Ein Männlein steht im Walde …
Es war einmal ein Mann, der hatte keinen Kamm …
Ein Mensch, nicht wissend, was Mormone …
 
Doch, eine Ausnahme fällt mir ein:
 
Hab mein Wagen vollgeladen …  
 
Aber ey,  Alder – am Ende kommen dann wenigstens noch die jungen Mädchen und singen durchs Städtchen.

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Sarah und das Sams

oder

Eine Woche voller Pastinaken

„Das Sams, das saß, das Sams, das aß,

Weil es so Hunger hatte …“

„Ich weiß, ich weiß! Es saß und aß

Doch von dem Tisch die Platte?“

„Was soll denn das? Das ist kein Spaß!

Musst du dazwischenquaken?

Es saß und saß und aß und aß

Von Sarahs Pastinaken.“

Nachsatz

Sarah und das Sams brechen zu meiner Verblüffung alle Besucherrekorde. Schade, dass ich nicht Paul Maar bin. Because then I could cash in on it. Or think up another Sams story … Aber vielleicht kann ich diesen unerwarteten Besucherstrom auf noch mehr unsinnig Gereimtes lenken? Ich probiers einfach mal. Da wäre zum Beispiel das Kormoran-Krähenscharben-Gedicht von Christopher Isherwood [The Common Cormorant or Shag] in meiner dezent bairisch angehauchten Lokalisierung. Oder Little Jack Horner alias Hans als nicht Pflaumen klaubender Lausbub, der sich die Rosine aus dem Kuchen pickt.  Außerdem hätte ich noch The Owl and the Pussy-Cat von Edward Lear in kauziger Übertragung anzubieten. Apropos Lear, da war doch was mit Limericks?

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Und wenn sie nicht gestorben sind …

… dann göffeln sie noch heute.

Bild: anglogermantranslations

And they lived happily ever after –> and they runcible-spooned away happily until they could eat no more? (Was man natürlich auch sehr viel drastischer ausdrücken könnte.)

Beim Vergleich des deutschen Märchenoriginals und der bekanntesten englischen Übersetzung („And they lived happily ever after.“) fällt auf, dass der Gedanke ans Sterben völlig verdrängt wurde. Ein kultureller Unterschied? Oder Rücksicht auf zarte Kinderseelen? An Grausamkeiten fehlt es aber doch Grimms Märchen sonst nicht.

Das Bildchen ist bezaubernd schön soll den berühmten Nonsensreim von Edward Lear illustrieren. Die Protagonisten dürften auch heute noch leben, falls sie nicht gestorben sind.

Der Kauz und die Katze

I
Der Kauz und die Katze stachen in See
Im schmucken erbsgrünen Boot,
Beladen mit Honig und reichlich Gold,
Das war in einen Fünfpfundschein gerollt.
Der Kauz sah zu den Sternen empor
Und sang zum Klang der Laute,
„O holde Mieze, Feinsmiezchen mein,
O meine holde Braute,
So traut,
So traut!
Meine überaus goldige Braut!“

Das vollständige englische Original mit meiner Übersetzung finden Sie allhier auf grüner Seit.

Weniger wortreich klingt es, wenn sich zwei feline Artgenossen gesucht und gefunden haben.

Und falls Sie durch die Pastinaken-Schlemmerorgie hierher gelockt wurden, geht es hier zurück zu Sarah und dem Sams.

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Nonsensgedichte

Der Sprung ins kalte Wasser …

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