Wenn kleine grüne Männchen locken …

… endet die Geschichte blutig. Zum Glück nicht für mich, sonst könnte ich das hier wohl nicht mehr schreiben. Aber immer schön der Reihe nach.
 
Planten un Blomen bot wie immer ein friedliches Bild. Eine leuchtende grüne Oase der Stille im Zentrum der Stadt. Die Stühle auf den Rasenflächen wurden gern genutzt … Nun sitze ich auch zu Hause schon lange genug herum, was mein Beruf nun mal so mit sich bringt. Darum zog ich es vor zu lustwandeln. So etwas sagt kein Mensch mehr? Doch, ich. Von A nach B hetzen kann jeder, zum Lustwandeln fehlt oft die Muße, weshalb das Wort wohl aus dem aktiven Sprachgebrauch verschwunden ist. Hiermit erkläre ich es für wiedereingeführt.  Wann immer ich jetzt lustwandele, geht mir ein Satz durch den Kopf, den ich kürzlich irgendwo im Zusammenhang mit gesundheitsförderlicher Lebensweise gelesen habe: „Die Sinnpotenzen liegen in der Landschaft.“ Was mag das bedeuten? Für jeden Hinweis wäre ich dankbar.
 
Allerdings spüre ich, dass sich beim Betrachten von so viel Grün und Sonnenschein auch innerer Friede ausbreitet. Ich hätte noch stundenlang diese „sinnvolle“ Landschaft durchstreifen können, wenn mein Blick nicht zufällig auf die kleinen grünen Männchen am Ende der Treppenstufen gefallen wäre. Sie posierten stocksteif am langgestreckten Gebäude, das ich sonst im Bus passiere, ohne mich um architektonische Details zu scheren.  Und schon war ich aus dem Park geklettert und fotografierte die Grünspanträger von allen Seiten. Nein, Außerirdische waren das nicht, offenbar hatten die altertümlich Kostümierten alle miteinander etwas mit dieser Institution zu tun. Genau! Die Wikipedia identifiziert sie als bedeutende Juristen.  Während ich noch grübelte, was für Musikinstrumente die Bläser auf dem Dach wohl traktieren mochten (doch nicht etwa Luren?), hörte ich eine Stimme hinter mir einen Text über ein spektakuläres Kapitalverbrechen vortragen, das allen Hamburgern in lebhafter Erinnerung sein dürfte. Es ging um den Fall Pinzner. Ich drehte mich um und entdeckte zwei junge Männer, die sich mir als  Schauspieler einer neuen kriminalhistorischen Stadtführung vorstellten. Sie probten gerade an den einzelnen Stationen und boten mir an, sie zu begleiten, was ich, neugierig wie immer, natürlich annahm. Als wir uns umdrehten und das gegenüberliegende Strafjustizgebäude ins Visier nahmen, fuhr – Ironie des Schicksals? – auch gerade die Konkurrenz vorbei, ein roter Doppeldeckerbus.  Ach, was! Eine Stadtrundfahrt kann ja gar nicht mit einem geführten Rundgang konkurrieren, schon gar nicht mit einer Gruseltour.
 
Den bösen Buben der nächsten Station – vor dem Strafjustizgebäude vis-à-vis – erriet ich schon nach dem ersten vorgelesenen Satz. Vor- und Nachname jeweils 5 Buchstaben, Frauenmörder von Sankt Pauli. Na? Auch die nächste Station erriet ich, als es wieder die Treppe hinunter in Planten und Blomen zurückging, aber mehr will ich nicht verraten. 
 
Ich empfehle daher eine vergnügliche Lektüre der Facebookseite sowie von Corpus Delicti Tours und wünsche allen Interessierten viel Spaß. Die Begegnung war rein zufällig, ich habe hier also nur unentgeltlich berichtet.

 

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Eingeordnet unter Fotos, Hamburg (Germany)

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