„Gold, Weiber und Moehren“

The German title is an allusion to a popular German book by Axel Hacke who collected amusing examples of mondegreens and misheard lyrics. One of these were the gifts of the Magi to the Christ child. Children misheard „gold, frankincense and myrrh“ as gold, loose women, and carrots. The mind boggles…

Der Blog-Titel ist ein Verhör-Zitat von Axel Hacke, dem Chronisten von Wunnebar.  (Letzter Satz des Artikels in der SZ. Weitere Spekulationen über die Art der allerersten Weihnachtsgeschenke –>)

Auf deutschem Boden gibt es immer noch Sprachen, die irrtümlich für Dialekte gehalten werden. Vielleicht liegt es daran, dass man (natürlich nicht jede und jeder, aber viele) sie durchaus verstehen können, ohne sie je erlernt zu haben. Das gilt in erster Linie für Schriftliches, Aussprache und Wortschatz variieren jedoch regional ganz erheblich, darin ähneln sie den Dialekten.

Vor einiger Zeit habe ich ein Rätsel aus dem sogenannten Friesendom in Nieblum auf Föhr (St.-Johannis-Kirche) in die Runde gestellt. Die prächtige Ausstattung dieses protestantischen Gotteshauses überrascht, denn offenbar sind die Bilderstürmer nicht bisher vorgedrungen. Das ist nur eine Vermutung, vielleicht weiß jemand Näheres darüber?

Ganz „unkatholisch“ wirkt dort auch die geschnitzte Kanzel von 1618, deren lateinische Inschriften auf das Nötigste (na ja, das ist Ansichtssache) beschränkt sind, um dann aber – wie von Luther propagiert -, dem Gemeindevolk „aufs Maul zu schauen“. Die Künstler begnügten sich hier nicht mit der Darstellung biblischer Szenen wie dem Sündenfall oder der Anbetung der Weisen aus dem Morgenland, sondern kommentierten sie vorsichtshalber mit den passenden Bibelzitaten in Übersetzung ins damalige regionale Plattdüütsch!

Lässt das etwa Rückschlüsse auf die bereits fortgeschrittene Alphabetisierung Frieslands im 17. Jahrhundert zu? Ich jedenfalls schließe daraus, dass die Kirchgänger in der Mehrheit weder Dänisch noch Föhring als Muttersprache hatten.

 Fotos: (c) anglogermantranslations. Alle Rechte vorbehalten.

 

3 Kommentare

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3 Antworten zu “„Gold, Weiber und Moehren“

  1. (Achso, und – slifgtly off topic – mein Lieblings-Wumbaba aus dem Bekanntenkreis: O. hielt als Kind den Pfannkuchen für einen „Fangkuchen“, weil der schließlich zum Wenden hochgeworfen wird.

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  2. Das ist schön, danke für die Ansichten! Ich war da sicher bald dreißig Jahre nicht mehr, aber an den Innenraum kann ich mich noch bestens erinnern.
    (Gerade neulich habe ich den Versuchen nachgespürt, das Platt wiederzubeleben, auch als Unterrichtssprache in der Schule.)

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