Zupackend und übergriffig

Politik und Weltanschauung will ich hier prinzipiell ausklammern. Manchmal gelingt es mir nicht ganz. Als ich bei einem Besuch im Altonaer Museum in die Abteilung Kolonialzeit in Hamburg kam, verschlug mir der Anblick dieses „Dirndls“ aus Arbeitshandschuhen (vgl. Überschrift dieses Eintrags) den Atem.

Please click to enlarge. Das Kolonial-Dirndl                                                                                                      Es stand in seltsamem Kontrast zu den Texttafeln, die vorgeblich sachlich und wertfrei die positiven Auswirkungen des Kolonialhandels auf die Hamburger Wirtschaft erläuterten. Kolonialwaren Schild 2 Die „textile“ Installation hat keinen Titel, ich fand auch keinen Künstlernamen. Mir gingen aber verschiedene Gedanken durch den Kopf. Sollte das ein Sinnbild für die Kolonisierung der Frau oder fremder Länder darstellen? Beides?

Gleich daneben lockt ein romantisch-verführerisches Schaubild des Tabakindianers bzw. Sklaven (ich zitiere diese Begriffe nur von den Tafeln, also bitte nicht darauf anspringen – danke!) Tabakindianermit exotischen Genüssen, die wir schon lange nicht mehr Kolonialwaren nennen.

Eine differenzierte Darstellung deutscher Kolonialherrschaft findet sich in der Wikipedia. Manches davon wusste ich noch gar nicht. Ich war nur immer froh darüber, dass zumindest dieser deutsche Spuk vergleichsweise kurze Zeit dauerte. Interessant, dass schon zu Bismarcks Zeiten ein ausstaffierter Frauenkörper in der Karikatur „Die neue Crinoline“ herhalten musste, um den damaligen Zeitgeist zu versinnbildlichen, wenngleich mit anderer Intention.

Ganz unverfänglich (oder?) waren dagegen das früher bereits erwähnte Nelkenschiff mit den englischen Puffhunden im Hintergrund.

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3 Kommentare

Eingeordnet unter Ausstellung, deutsche Geschichte, Fotos, Hamburg, photos

3 Antworten zu “Zupackend und übergriffig

  1. Mh. Das Dirndl sieht schwer aus nach „paßt nicht ganz zur Ausstellung, ist aber doch total witzig, oder? oder??“. Nicht recht nachgedacht. Aber ich teile Deine unbehaglichen Assoziationen; insofern paßt es vielleicht doch wieder.

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  2. Pingback: Das Nelkenschiff | Übersetzen und Literatur, doch nicht nur

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