Ein belletristischer Streifzug durch Floridas Flora

Welche Bücher übersetze ich am liebsten? Schwer zu sagen, denn ich liebe vor allem die Abwechslung zwischen Sachliteratur und Belletristik. Prächtig ausgestattete Bildbände, coffeetable books, haben mir immer besondere Freude gemacht. Allerdings habe ich mich oft gefragt, ob tatsächlich jemand auch die Texte liest. Dieses Mal spielte ein Roman in Florida, Terra incognita für mich, und ich hätte mir als Leserin viele Fotos von der Landschaft dazu gewünscht.

Deborah Reed auf DeutschCarry Yourself Back to me by Deborah Reed

 

Leseprobe

Vielleicht lohnt es sich ja in Zukunft, E-Books mit Illustrationen auszustatten. Fürs Erste musste ich mir die Bilder selbst zusammensuchen – wie schön, dass das Internet schon erfunden ist! Früher musste ich lange Telefonate mit den Mitarbeitern des Botanischen Gartens führen, nachdem ich in der Universitätsbibliothek schon die botanischen Namen herausgesucht hatte. Autoren populärwissenschaftlicher Bücher, besonders auch von Kinderbüchern, begnügten sich oft mit volkstümlichen Namen aus ihrer Heimat.

Die Geschichte beginnt in unmittelbarer Nähe eines Tangelo-Hains. Da fängt es schon an. Tangelo? Aha, ein portmanteau word (Kofferwort), das sich aus tangerinepomelo zusammensetzt. Statt der Pomelo kann es auch eine Pampelmuse sein. Interessant.  Die Früchte habe ich schon einmal unter dem Namen Minneolas gesehen und sie fälschlich für Mandarinen gehalten. Jetzt habe ich sie also studiert und muss sie unbedingt probieren.

Tangelos
Quelle: wikimedia
 
Picture yourself in a boat on a river with tangerine tangelo trees and marmalade skies.

Auf dem Grundstück stehen auch live oaks, die ich leider mit Virginia-Eichen übersetzen musste, da sie nun mal so heißen.

Virginia in Florida!
Die Eichen blühen, tralala …!
Live bedeutet in diesem Fall immergrün.
Die herabhängenden Bärte sind Tillandsia usneoides – Spanisches Moos.

Live oak – Quercus virginiana Virginia-Eiche http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/3/3e/Liveoak%2Csavannah.png
Foto: User Petra15

Sweetgum – Amberbaum – Liquidambar styraciflua
http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/a/a9/Liquidambar_styraciflua_-_La_Hulpe_%281a%29.JPG
Foto: Jean-Pol GRANDMONT

Dann hätten wir noch ein paar Weihrauch-Kiefern, loblolly pines, „die den ganzen Wald nach Gin riechen lassen“. Nanu? Dann müsste sie doch Gin-Kiefer heißen? Nein, der alternative Name ist Amerikanische Terpentin-Kiefer. Weihrauch-Gin-Terpentin. Jedenfalls nicht zu überriechen.

Loblolly pine – Weihrauch-Kiefer
http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/3/3e/Pineflower9538.jpg
Foto: Pollinator

Und zu guter Letzt kommen die auf Englisch so treffend als Elephant Ears bezeichneten Riesenblätter. Wie langweilig klingt dagegen der deutsche Name Taro. Und herzförmig sind sie noch dazu.

She takes a deep breath and turns to the forest floor filled with giant Elephant Ears like downy hearts springing in all directions. The trees above are twisted and tangled, one into the other, a woven canopy of earthy brown and green and white.

https://i1.wp.com/upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/7/70/TaroAKL.jpg

Elephant ears – Taro
http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/7/70/TaroAKL.jpg
Foto: Kahuroa (Neuseeland)

Eine geht noch! In Deborah Reeds Roman findet man sie zwar nicht in Floridas freier Wildbahn, aber sie steht in einer Wohnung und wird weihnachtlich geschmückt. Und welcher Name wäre treffender als Bird of Paradise, Paradiesvogelblume?

10 Kommentare

Eingeordnet unter Bücher, Botanik, Flora, Foto, Fotos, German translation, literarische Übersetzung ins Deutsche, Literaturübersetzung

10 Antworten zu “Ein belletristischer Streifzug durch Floridas Flora

  1. Pingback: Color My World – Vivid Tangerine | Übersetzen und Literatur, doch nicht nur

  2. Pingback: Der unsichtbare Zimmerelefant | Übersetzen und Literatur, doch nicht nur

  3. Das ist ja eine tolle Idee, ein Post so zu gestalten. Das ist mal was Neues, Interessantes und auch wenn ich Florida gut kenne, habe ich jetzt viel gelernt. Glückwunsch, sehr gelungen!
    Herzliche Grüße
    Hanne

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  4. Falls du eine iPhone oder ein iPad haben solltest und noch mehr Informationen zu nordamerikanischen Bäumen suchten solltest, empfehle ich die wunderschöne App Leafsnap, die es gratis im iTunes App Store gibt.

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  5. *kicher*
    Wir fanden beim lustwandeln (was für ein schönes Wort) im Arboretum Berlin Baumschulenweg kürzlich Früchte die wie kleine schrumpelige Aliengehirne aussahen … eine INet Recherche später war klar, es handelt sich um dies hier:
    http://de.wikipedia.org/wiki/Milchorangenbaum
    Und da habe ich wieder beschlossen, im nächsten Leben werde ich Dendrologin!

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  6. Ah, eine verwandte Seele! 🙂 Pflanzen- und Tiernamen recherchiere ich auch gern. Und Bildbände sind einfach klasse, man muss nur aufpassen, dass einen die Bilder nicht allzu sehr ablenken von der Arbeit …

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