The Glühwein is the Muller’s Lust

Eben landete ich zufällig in dieser englisch-deutschen Folge einer Fernseh-Kochshow und war gespannt, wie man das Sprachproblem für die Zuschauer im Hamburger Studio lösen würde. Es war natürlich kein Problem: Jamie Oliver und Tim Mälzer plauderten jeweils in ihrer Muttersprache, und für alle, die nicht ganz folgen konnten, kam dann noch die Stimme aus dem Off, die simultan dolmetschte. Vielleicht ist das ja nicht so zwingend notwendig, dachte ich, man sieht ja, was die beiden da machen, wie sie schnipseln und gießen und mixen und mengen. Aber dann präsentierte der Engländer den Gästen die englische Antwort auf unseren Glühwein, den mulled wine – eine sehr interessante Rezeptvariante mit Cider und Granatapfelsaft -, und der Dolmetscher behauptete wiederholt, das sei nun Malzwein [sic]. In der Spielfilmsynchronisation kann es ja sinnvoll sein, die Vokabeln den Lippenbewegungen anzupassen, da wäre Malzwein für mulled wine eine geniale Lösung, aber in diesem Fall darf man die gut sichtbaren Fakten doch nicht einfach vom Küchentisch wischen? Oder hat sich der Dolmetscher vom Nachnamen des deutschen Kochs ablenken lassen?

Im Vorspann fiel mir auch auf, dass Tim Mälzer an einem Fleischerladen vorbeiradelt. Ja, so heißt das hier in Hamburg, vielleicht auch noch Schlachter, aber nie, nie, nie, nie Metzger. Das wusste eine Münchner Romanschriftstellerin offenbar nicht, als sie ein Buch in Hamburg spielen ließ. Die Örtlichkeiten waren gut recherchiert, aber die Leute kauften ihr Fleisch immer beim Metzger ein. Dascha gediegen! Na ja – vielleicht war das auch eine süddeutsche Lektorin, die „Metzger“ für überregional hielt.

Überregional ist allerdings wenig, wenn es um Essen und Trinken geht. Vgl. auch die Erfahrungen von Daniela Dreuth, einer Kollegin aus dem Texttreff-Netzwerk, die es von Hessen nach Thüringen verschlagen hat –> Thüringer Weihnachtsgebäck, ein Blogwichtel-Gastartikel im Sprachblog von Ines Balcik.

Aber mal ehrlich, was soll man denn dazu sagen, dass Mälzer allen Ernstes behauptet, cartwheel heiße auf Deutsch Waschanlage?

6 Kommentare

Eingeordnet unter Übersetzung, deutsch, German translation, Rezepte

6 Antworten zu “The Glühwein is the Muller’s Lust

  1. Von ‚mulled wine‘ zu Malzwein zu kommen – das ist doch sicherlich ein Verhörer gewesen, ‚mulled‘ klingt ja im schnellen Dolmetsch-Gehirn ganz ähnlich wie ‚malt‘ (auch wenn ich jetzt auch keinen Malzwein kenne). Ich bin zwar kein Dolmetscher, stelle mir aber vor, dass hier sehr viele abgespeicherte Bausteine, die meistens in einer bestimmten Kombination auftreten, simultan abgerufen werden.

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  2. MM

    „Antwort“ erweckt den Eindruck, mulled wine wäre neuer als Glühwein. (Cider und Granatapfelsaft ist allerdings sehr apart). Ich vermute aber, bei sind gleich alt und es ist genau dasselbe (bis auf die erwähnten Zutaten)

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    • Danke für den sicher bedenkenswerten Kommentar, Margaret. „Antwort erweckt den Eindruck …“ Findest Du? Für mein Gefühl nicht. Ich empfinde hier „Antwort“ als Synonym für „Gegenstück“, „Entsprechung“, „Variante“. Dem mulled wine bin ich zum ersten Mal begegnet, als ich einen Mittelalterkrimi (12. Jh.) übersetzt habe, und zwar mit Glühwein. Ich vermute doch stark, schon die Germanen haben bei Minustemperaturen ihren Honigmet heiß genossen und „meanwhile…“ die Ureinwohner der Britischen Inseln ihr Was-auch-immer-Leib-und-Magen-Gesöff? Liegt einfach in der Natur des europäischen Winters. Man könnte natürlich erforschen, wann welche exotischen Gewürze dazukamen. Aber das ist eine andere Geschichte.

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    • MM

      Nun, es gibt sicher zwei Bedeutung von „Antwort“ hier, allerdings deutet das „meanwhile“ jetzt schon daraufhin, dass ich richtig lag. Wein hat es früher bei anderen Klimaverhältnissen in England jedenfalls gegeben. Aber das OED geht sicher nicht bis Tacitus zurück.

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    • >Aber das OED geht sicher nicht bis Tacitus zurück.

      Schade eigentlich ;-).

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