Schön bunt

Déjà vu? Déjà lu …

Zu meiner großen Freude habe ich gerade zum ersten Mal den gelb- und rotstieligen Mangold (Frauengold ist eine andere Geschichte) in natura gesehen, und zwar hier:

Blatt-Mangold Beta vulgaris subsp. vulgaris

Schade, dass ich ihn nicht ernten durfte. Ich wüsste doch zu gern, ob die gelben und roten Stiele anders schmecken als die weißen. Auf eine persönliche Begegnung mit dem kunterbunten Regenbogen-Mangold warte ich noch frohgemut. Theoretisch kenne ich die farbenprächtigen Varietäten des Blatt- bzw. Rippen-Mangolds, seit ich vor vielen, vielen Jahren einmal den interessanten Auftrag bekam, ein wunderschön bebildertes „Kochbuch“ des englischen Dramatikers Colin Spencer zu übersetzen. „Kochbuch“ in Anführungszeichen, denn das trifft es nicht ganz, trotz der beigesteuerten Rezepte aus aller Welt und der Küche des Autors. [Und jetzt dürfen alle mal raten, wie der korrekte Genitiv Singular von Autor lautet …]

Nun haben es mir ja Bildbände – die allseits beliebten coffeetable books –  besonders angetan, vor allem wenn sie gut geschrieben sind (was nicht unbedingt immer der Fall sein muss, hier aber zutrifft.) Dieser Autor weiß nicht nur, wovon er schreibt, er kann er es vor allem auch! Er zog – und zieht vermutlich immer noch – alte, zum Teil längst vergessene Gemüse- und Obstsorten in seinem Garten. Sein Buch ist eine Kulturgeschichte der Nutzpflanzen, beinahe von den Anfängen bis zur Gegenwart – beinahe. So sucht man Schachtelhalm- und Baumfarnrezepte der Frühzeit darin vergebens ;-).

Sehr amüsant fand ich die Zitate aus Quellen des Altertums, z. B. von Plinius dem Älteren. (Ach, warum mussten wir uns nur so lange mit Cäsars langweiligem De bello gallico herumquälen, mitsamt dem militärtechnischen Vokabular, mit dem man Stadtmauern einreißen und schleifen und den Gegnern den Garaus machen kann – Vae victis! -, aber keine anständige Mahlzeit auf den Tisch bringt? Hätte der gute Cäsar doch lieber gleich Goscinny und Uderzo als Ghostwriter angeheuert, statt selbst zum Griffel zu greifen und Generationen von SchülerInnen mit seinen zweifelhaften Heldentaten anzuöden.

Doch zurück zu Colin Spencer … Viele der Gemüsesorten, zu denen er wie erwähnt teils selbst erdachte, teils gesammelte Rezepte beisteuert, waren zum Zeitpunkt meiner Übersetzung hierzulande noch weitgehend unbekannt. Erst später sollten die meisten wieder ihren Siegeszug durch deutsche Lande antreten, sowohl auf Wochenmärkten als auch in noch so kleinen Tante-Emma-Läden.  Nun gibt es speziell zu diesem Buntgemüse ein interessantes Rezept des Autors  [Und jetzt dürfen alle mal raten, wie der korrekte Genitiv Singular von Autor lautet …], doch um es hier zu veröffentlichen, müsste ich seine Erlaubnis einholen. Ersatzweise verlinke ich daher zu einem Mangold-Tarte-Rezept in einem nicht ganz unbekannten Foodblog aus der Schweiz, denn dieses dort als Krautstiel bekannte Gemüse heißt bekanntlich auf Englisch Swiss chard und sollte darum auch auf original Schweizer Art „verwurstet“ werden. Bon appetit! Und einen schönen bunten Teller!

Fotos: (c) anglogermantranslations Mehr Fotos: Mangold rot, Mangold rot

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7 Kommentare

Eingeordnet unter Bücher, Fotos, German translation, non-fiction

7 Antworten zu “Schön bunt

  1. Pingback: Mangold rot, Mangold rot … | Übersetzen und Literatur, doch nicht nur

  2. philipp1112

    Des Autors und Anderer Problem mit jenem Substantiv ist wohl mehr der Dativ Singular.

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  3. Wie wunderbar! Und zwar vor allem der Buchtip. Aber bunter Mangold ganz ohne Zweifel auch. Ich kenne ihn von einem Marburger Biogemüsestand, wo ihn irgendeine liebevolle Seele schön nach Stengelfarben sortiert und anordnet: gelb, orange, rot, violett, fuchsia … Das sieht so was von zum Anbeißen aus, aber man traut sich kaum, welchen zu kaufen, um die Komposition nicht zu zerstören.

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    • Das Buch mit den wunderbaren Fotos von Linda Burgess gibt es bei Amazon gebraucht ab EUR 0,83 ;-). (Nein, ich verdiene daran nichts.) Inzwischen gibt es auch eine englische Neuauflage mit Zeichnungen des Autors, da würde ich ja auch gern mal hineinsehen. Ja, der Mangold ist viel zu schade zum Aufessen. Vielleicht sollte ich wirklich mal wieder nach Marburg fahren (wo ich studiert habe). Jertzt hätte ich einen Grund mehr …

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    • Das wäre dann vielleicht ein Fall, wo man beide Ausgaben, die deutsche und die englische, haben muß.
      Ja, Grüße an den Südviertelmarkt! Mittwochs und samstags in der Frankfurter Straße; einer der besseren, die mir hierzulande begegnet sind.
      (Übrigens wurde Elwert an Thalia verkauft; ist das nicht ein Skandal?)

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    • Elwert war nicht die Buchhandlung mit dem Fahrstuhl in die Oberstadt? Die hieß Rasch, oder?

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    • Dochdoch, genau die. Die älteste, traditionsreichste, blablabla … Der letzte Elwert hat sie wohl verkauft.

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