Die Schlampe mit der Energiesparlampe

Oder so ähnlich.

Ich oute mich jetzt mal als partielle Kulturbanausin. Bevor ich eben Jan Delay beim ESC (was ich bisher immer nur für die Escapetaste gehalten habe) als Pausenclownkünstler im Livestream erlebt habe, wusste ich gar nichts von seiner Existenz. Und dass trotz des Umstands, dass er „im spießigen Eppendorf als Kind von Hippieeltern aufwuchs“. Hüstel. Wahrscheinlich ist er mir unerkannt unzählige Male über den Weg gelaufen. Wie dem auch sei, ich habe mir große Mühe gegeben, den Text seiner Darbietung zu verstehen, allerdings ohne Erfolg. Mir ging es darum, ob er nun eigentlich englisch oder deutsch sang, doch außer „Oh Johnny“ bekam ich akustisch beim besten Willen nichts mit. Und das kann ja sowohl das Eine wie das Andere sein. Beim Nachhören auf Youtube konnten meine Ohren dann schon mehr Deutsches herausfiltern, v. a. irgendwas mit einer Energiesparlampenschlampe. Ist doch ein genialer Reim, muss ich mir merken. Kann ich sicher noch irgendwann gebrauchen. Was mich in diesem Clip aber noch brennender interessierte, war die Meinung des Künstlers zum ihm unterstellten Szeneslang. Auf 7:25 zieht Ina Müller ein Lexikon der Szenesprache hervor, über das sich Jan Delay alsbald mokiert. Und ich muss ihm da leider Recht geben. (Oder anders ausgedrückt, lässt sich etwas derart Flüchtig-Flatterhaftes kaum korrekt und für die Ewigkeit schwarz auf weiß fixieren. Leichter wäre es, einen Pudding an die Wand zu nageln.) Bezogen auf Übersetzungen von „trendigen“ (blödes Wort) oder „szenigen“ (noch blöderes Wort) Dialogen gilt: Zeitgemäßer und damit zwangsläufig meist zeitgebundener Slang, der es nicht irgendwann in den allgemeinen Sprachgebrauch schafft, bleibt für unsere Arbeit auf Dauer unbrauchbar. Andernfalls müsste man allzu szenige Übersetzungen mit Glossaren versehen, da sie erstens einen rasanten Verfallswert haben und zweitens innerhalb dieser knappen Zeit auch nur von einem Bruchteil der Leser überhaupt verstanden würden. So sich überhaupt welche dafür finden.

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