Mein Bullerbü (1)

Nachtrag vom 17. März 2014
Hier gibt es den zweiten Teil unter dem Titel Schwalenberg-ABC oder mein Bullerbü (2)

Die Umbenennung der beiden Ortschaften Schwalenberg und Schieder zu einem Doppelnamen (Eingemeindung) ist für Ortsunkundige irreführend. Sie liegen nicht direkt zusammen. Während ich das malerische Fürstenstädtchen Schwalenberg als hui! bezeichnen würde (mein Übersetzungsversuch für *wow!* ;-)), finde ich Schieder ja eher … äh … hm, sagen wir, nicht so hui …  (Man kann ja Äpfel auch nicht mit Birnen vergleichen …)

Fotoalbum Schwalenberg/Lippe

Es war einmal vor vielen, vielen Jahren, lange, bevor ich Quiddje aus Überzeugung wurde und meine Zelte endgültig in Deutschlands schönster Großstadt aufschlug, da verbrachte ich vier idyllische Jahre meiner Kindheit in einem Tausendseelendorf, das, durch Fürstenhuld zur Stadt gemacht*, doch keines sein wollte.

Durch Fürstenhuld zur Stadt gemacht

Rathaus Schwalenberg, Inschrift Foto: anglogermantranslations

* Inschrift:

Durch Fürstenhuld zur Stadt gemacht, hält Bürgertreue gute Wacht.

Astrid Lindgren kannte ich damals noch nicht. Die Kinder aus Bullerbü entdeckte ich erst, als ich schon in der „großen“ Stadt wohnte. (Na ja, so groß war die dann auch nicht, man munkelt neuerdings sogar, sie existiere gar nicht.) Zunächst musste ich ja das Lesen lernen. Non scholae, sed vitae discimus. Denn Astrid Lindgren ist für Kinder ein wichtiger Teil des Lebens – wohl dem, der als Kind ein Bullerbü hatte! Es traf es sich daher gut, dass ich in Schwalenberg eingeschult wurde.  Etwas Besseres hätte mir gar nicht passieren können. Und es war ja auch freiwillig – dachte ich zumindest in meiner grenzenlosen Naivität. Unser Lehrer (ein Mann, den man Kolumbus nannt) erwähnte nämlich in seiner Begrüßungsrede, falls jemand austreten wolle, brauche er sich nur zu melden: „Wer mal austreten will, bekommt selbstverständlich meine Erlaubnis.“ Fein, dachte ich. Wenn mir die Schule nicht gefällt, kann ich ja wieder austreten. Mir gefiel sie dann aber doch ganz gut, so dass mir eine herbe Enttäuschung erspart blieb.

Der Dorfkern hat sich seit damals kaum verändert. Wunderschön sind auch Betinas Fotos. In der Wikipedia sieht man das pittoreske Rathaus in der Ansicht von 1909 und heute. 

Der Volkwinbrunnen (auch „die Bache“)

Brunnen Schwalenberg

mit seiner hier nicht sichtbaren Zulaufrinne war (und ist?) im Winter eine tolle Schlinderbahn oder ein Glitsch, wie Hamburger Kinder sagen.

Das Wasser gruben der Männer zwei

Und wurden dafür Ihrer Ketten frei

In grauer Vorzeit Tagen.

Die Männer sind tot, das Wasser stirbt nie,

Springt munter vom Berge heute noch wie

In grauer Vorzeit Tagen.

Fotos: Wikipedia

Vgl. auch die Anlage des Stadtwassers (–> Bild) von der Magdalenenquelle bis zum Volkwinbrunnen, die

„als eine hervorragende bautechnische Leistung des
Mittelalters gilt“

und Zisterziensermönchen zugeschrieben wird.

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6 Kommentare

Eingeordnet unter Bücher, Ditt un dat, Fotos

6 Antworten zu “Mein Bullerbü (1)

  1. Sehr schöner Bericht – ich mag Schwalenberg auch sehr gern. Und habe vor einiger Zeit einen kleinen Artikel dazu in meinem Blog veröffentlicht:
    http://www.photolokal-blog.de/bummel-durch-die-malerstadt-schwalenberg/

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  2. Pingback: Schwalenberg-ABC oder mein Bullerbü (2) | Übersetzen und Literatur, doch nicht nur

  3. Das ist wirklich klasse. Ich habe Schwalenberg als, naja, beinahe Museumsdorf kennengelernt, mit andächtig staunenden Spaziergängern; da Kind zu sein, denke ich mir allerdings unterhaltsam. (Wasserlauf! Gassen! Komische Verzierungen an Häusern!)

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    • Ja, wir hatten uns schon a. a. O. darüber ausgetauscht.

      Da Du gerade das Rodeln auf der Straße erwähnt hast … Letztes Jahr habe ich meine alte Rodelbahn (bergab führende Straße) fotografiert und bekomme nostalgische Anwandlungen beim Betrachten. Ein Auto kam ja nur alle Jubeljahre mal … Das hätte man meinetwegen auch nicht zu erfinden brauchen.

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    • Jaja, das sagen die Rodelkinder und die Erwachsenen ohne Räder. .) Aber das stimmt — 1973 hätte man einen halben Tag auf der Straße liegen können und wäre nicht überfahren worden. 2013 muß man links und rechts gucken, gerade im Dorf, weil da alle ein Auto brauchen (gibt ja keine Läden mehr).

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