Der Blogwichtel-Kreis schließt sich

Zwar blogge ich erst seit kurzer Zeit, aber die Blogwichtelgeschichte kenne ich nun schon seit drei Jahren. Damals machte mich Google Alert auf eine Veranstaltung im Literaturhaus aufmerksam. Der Link führte mich direktemang in die Wichtelei im Blog eines mir bis dahin unbekannten Journalisten. Verfasst hatte diesen Artikel – wie das bei Blogwichteln nun mal so üblich ist – ein unbekannter Gastautor. Ein Blick auf die Liste der Blogwichtelteilnehmer verriet mir aber sofort, dass es sich dabei nur um einen ganz bestimmten Kollegen handeln konnte. Und dieses Jahr durfte ich dann selbst mitmachen – hurraaaaaaaaaa! Die Auslosung der zu Bewichtelnden [Anm. der Übers. ins Lateinische: Supinum], fand unter Ausschluss der Öffentlichkeit, jedoch mit tat(z)kräftiger feliner Unterstützung statt, was generell für hieb-, stich- und kratzfeste Ergebnisse gesorgt haben dürfte. (Wobei mich der Verdacht beschleicht, dass sich der Kreis auf mehr als eine Art schließt …)  –> Teilnehmende Blogs

Und jetzt Manege frei für mein geheimnisvolles Heinzelmännchen alias Blogwichtelgastartikelautörchen (ich sehe die rote Zipfelmütze ganz deutlich vor mir), das da schrieb und grafisch gestaltete:

Quelle: Wordle

Eines war dem Blogwichtel beim Studium der bis dato hier veröffentlichten Texte sofort klar: Die Betreiberin des zu bewichtelnden Blogs mit dem schönen Titel „Übersetzen und Literatur, doch nicht nur“ mag Bücher. Aus persönlichen und aus professionellen Motiven. Das verrät nicht nur der Blick auf den Titel oder in die Tagcloud ihres Blogs, die Wortwolke rechts in der Seitenleiste, sondern das legt auch ihr Beruf als Übersetzerin und ihr Studium des Bibliothekswesens nahe. Diese Frau liebt Bücher. Keine Frage.

Auch in obigem Bild sticht das Wort Bücher als am häufigsten verwandter Begriff hervor. Die Tagcloud wurde mit Wordle erstellt. Basierend auf dem Interview-Text mit dem Schriftsteller und Büchersammler Umberto Eco, unter dem Titel „Sind Sie der ideale Leser, Signore Eco?“ erschienen am 11. Dezember 2010 in der FAZ.
Dort äußerst sich der Autor des Welterfolges „Der Name der Rose“, der in wenigen Tagen 79 Jahre alt wird, zu seiner Büchersammelleidenschaft. Deutschlandradio Kultur fasst den Artikel mit folgenden Worten zusammen:

Wer Bücher sammelt, ist einsam. Zu diesem Schluss kommt der Autor und Wissenschaftler Umberto Eco. Der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ sagte er, in seiner Bibliothek ständen fünfzigtausend Bände. Doch mit anderen Sammlern könne er über die Bücher nicht sprechen, weil sie entweder etwas anderes sammelten als er und ihn deshalb nicht verständen, oder weil sie das selbe suchten und dann neidisch seien.

Auch von seinem letzten Kauf berichtet der begnadete Wortkünstler und Bücherfreund. Von einem so kostbaren Kauf, dass der gewiss nicht insolvente Erfolgsautor mit dem Händler eine Ratenzahlung vereinbart hatte:

Eine Inkunabel von 1473, eine Ausgabe der „Etymologiae“ des Isidor von Sevilla, die mit ihrem blütenweißen Papier aussieht, als wäre sie erst gestern gedruckt worden. Eine Schönheit. Eine solche Schönheit, dass der Händler mir vier Jahre Zeit gibt, um sie abzubezahlen.


Quelle: Wikipedia

Der spanische Gelehrte Isidor von Sevilla wollte mit seiner im 7. Jahrhundert veröffentlichten 20-bändigen Etymologiae eine Art Sammlung des Weltwissens erschaffen. Das brachte auch gewisse Kirchenkreise auf die Idee, ihn 2001 zum Schutzpatron des Internets ernennen zu lassen. Was an der Geschichte dran ist, kann im „Ökumenischen Heiligenlexikon“ nachgelesen werden: Thekla oder Isidor – wer erhört die Klagen der Web-User?

Auch am Ende des FAZ-Interviews kommt Eco bei der Beschreibung seiner Sammlung wieder auf seinen jüngsten Kauf zu sprechen:

Meine Sammlung heißt Biblioteca Semiologia Curiosita Lunatica Magica Emblematica. Um mich bei den Antiquaren verständlich zu machen, sage ich: okkult. Was nicht stimmt. Ich sammle alles, was als falsch gilt. Also habe ich die Astronomie des Ptolomäus, aber nicht die des Galileo. Manche Bücher habe ich aber auch allein ihrer Schönheit wegen gekauft, zum Beispiel das letzte, die „Etymologiae“.

Da die FAZ das von Felicitas von Lovenberg am Rande des Münchner Literaturfests geführte Interview mit Umberto Eco (noch) nicht im Netz veröffentlichte, hat der Blogwichtel – quasi als 2. Wichtelgeschenk – der Blogautorin und Bücherfreundin über die Wichtelorganisatorin den kompletten FAZ-Text zukommen lassen. Ich hoffe sehr, damit der Bücherfreundin einen Gefallen getan und ihr und ihren Lesern einen Artikel geschenkt zu haben, der würdig ist in diesem schönen Blog veröffentlicht zu werden. Falls der Artikel als falsch oder unpassend empfunden wird: einfach an Eco – in Raten – verkaufen, der sammelt ja bekanntlich alles, was als falsch gilt. 😉

Update: da die FAZ den Artikel mittlerweile online gestellt hat, hier auch der Link für alle Leser: Sind Sie der ideale Leser, Signore Eco?

Ein Kommentar

Eingeordnet unter Bücher, Gastartikel

Eine Antwort zu “Der Blogwichtel-Kreis schließt sich

  1. Das passt ja wie angegossen – Du darfst mich Aschenputtel nennen, ach nein, lieber noch Cinderella, das klingt hübscher. Es ist ja fast, als würdest Du mich näher kennen (das wüsst ich aber: also doch nicht): 1. Die Inkunabel ist in meiner ersten Fremdsprache verfasst – nicht ungewöhnlich für eine Inkunabel 😉 -, und das ist auch die Sprache, in der ich das Übersetzen von der Pike auf gelernt habe. Gelegentlich fragt jemand, ob ich ein Motto oder einen Slogan in diese Sprache übersetzen kann. Ja, schon. Ist ja mal eine schöne Abwechslung vom Werbe-Denglisch. Und die Zielgruppe bildet sich größtenteils auch nicht ein, das zu verstehen. 2. Aus Umberto Ecos Sprache übersetze ich auch gelegentlich. Wenn auch nicht ihn, denn der ist ja bekanntlich in festen Händen, nämlich in Burkhart Kröbers. Doch was will uns der Meister eigentlich mit seinem Foto sagen? Die Bücherwand verschwindet im Hintergrund, der Blickfang ist die Diabolo-Lampe (sehr originell!). Und noch etwas verblüfft den geneigten FAZ-Leser und aufmerksamen Betrachter: Das Glas ist ja gar nicht leer! 1:0 für den blitzschnellen Fotografen 🙂 Und noch einmal dankeschön – das war ein Artikel ganz nach meinem Geschmack.

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