Es (k)niste(r)t im Gebälk

Ob den Schweinchen aus den NDR/SH-Verkehrsnachrichten die Flucht gelungen ist, entzieht sich meiner Kenntnis. Sehr wahrscheinlich ist es wohl nicht. Vielleicht erklärt sich daher mein maßloser Heiterkeitsausbruch über eine erfolgreiche Arbeitsverweigerung unserer gefiederten Freunde in: 

Die Episode kommt erst gegen Ende der tragikomischen Autobiografie vor, auf S. 236 der Taschenbuchausgabe (Kapitel 1996 – Taubenplage):

Eine Hochzeitsfeier in einem Landgasthaus (typischer Schauplatz in diesem Buch):

Nach dem Hauptgang war zur Auflockerung ein Zauberer engagiert worden. Ein ganz alter Zauberer, den man offenbar aus seinem verdienten Ruhestand aufgeschreckt hatte, denn er war sichtlich aus der Übung. Der große Klassiker mit den Tauben stand auch auf dem Programm. Tuch, Hut, Tauben weg, Tauben wieder da, oh là, là! Leider wollten die Vögel nicht so wie er. Sie flogen davon und blieben einfach im Saalgebälk sitzen. Bräsig hockten die Viecher dort oben und ließen sich durch nichts dazu bewegen, wieder herunterzukommen. Den Leuten kam das nach den ganzen langweiligen Beiträgen natürlich gerade recht, sie bogen sich vor Schadenfreude. Der Zaubergreis versuchte die renitenten Biester doch noch zur Vernunft zu bringen, jedoch vergebens. Er war zu alt und zu schwach. Niemand machte Anstalten, ihm zu helfen. Je verzweifelter seine Versuche wurden, desto mehr amüsierten sich die Leute. Der Illusionist war kurz davor, in Tränen auszubrechen, als er schließlich ohne seine Vögel abziehen musste.

Habe ich denn gar kein Mitleid mit dem Zauberkünstler? Nö. Meine Mitleidensfähigkeit war schon längst erschöpft, denn vom ersten bis zum letzten Satz musste ich ja die armen Protagonisten – die leider nicht einmal fiktiv sind – bedauern. So komisch das auch erzählt ist – noch viel komischer als in der Verfilmung -, mir ist bis zu dieser Szene das Lachen immer im Hals stecken geblieben. Wie der Autor selbst auch in einem Kommentar auf der DVD bemerkte, sind die komischsten Szenen auch immer die traurigsten. Außerdem hätte man den Tauben ja auch den wohlverdienten Ruhestand gönnen und sie friedlich ihr Gnadenkorn picken lassen können.

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